Selbstmedikation

" Ein Tier weiß normalerweise am besten, was es braucht, denn es hat dieses Wissen durch Anpassung und Lernprozesse erworben.

Unter Laborbedingungen haben Mäuse und andere verschiedene Arten gezeigt, das sie es besser als ihre menschlichen Betreuer verstehen, ihre Nahrung im richtigen Verhältnis zusammenzustellen und dadurch ihren Gesundheitszustand zu optimieren.

 

Nachdem bisher nur wenig über die Ernährungsgewohnheiten bekannt ist, verwundert es kaum, das jegliche Bedürfnisse nach Selbstmedikation meistens völlig ignoriert werden. Diese äußerst wichtige " Medizin" die soviel dazu beiträgt, Krankheiten vorzubeugen, oder die Gesundheit wieder herzustellen, wird bisher nicht als Erfordernis bei der Haltung von Tieren betrachtet"

Dr. Cindy Engel (Biologin und Dozentin für Umweltwissenschaften an der Open University, England.)

Selbstmedikation

Hier möchte ich auf ein ganz wichtiges Thema eingehen. Die Selbstmedikation.

Warum ist es so wichtig, seine Rennmäuse artgerecht und bedarfsorientiert zu füttern .

Warum neben dem Grundfutter, die Gabe von Kräutern, Pflanzen und Blättern, nicht fehlen sollte und wie ihr euren Tiere zur Selbstmedikation geben könnt.

 

 

 


Viele verzichten komplett auf die Gabe von frischen Zutaten.

Die Angst vor Bakterien und diversen Unverträglichkeiten ist bei den Meisten, durch viele Fehlinformationen, groß.

Dadurch ernähren die Meisten ihre Haustiere allerdings viel zu einseitig. 

Die wilden Vorfahren

"Ein frei lebendes Tier vergiftet sich niemals selbst, denn es weiß, welche Nahrung es auswählen muss" Maurice Mességué, 1991

 

Ernährt man die in Gefangenschaft lebenden Rennmäuse ausgewogen, so können sie bedarfsorientiert fressen.

 

Rennmäuse sind sehr bewegungsaktiv, daher ist ihre Verdauung genau auf ihren Energieverbrauch abgestimmt.

Um den täglichen Bedarf zu decken, werden neben Sämereien, Insekten, und Keime auch die energiereichsten Stellen der Pflanze, die Blattspitzen, Triebe und Wurzeln verputzt.

 



Rennmaus muss erst lernen...

Rennmäuse handeln nicht NUR instinktiv. Einige Dinge müssen erst erlernt werden.

In der freien Wildbahn erlernen Jungtiere, wissenswertes, von adulten Familienmitgliedern.

 

Um zu lernen welche Dinge fressbar sind und was beispielsweise gegen Darmproblemen hilft, geht die Rennmaus sehr interessant vor.

 

Die Rennmaus nutzt beim Erforschen von unbekannten Pflanzen, den Geruchs-, Tast-, und Geschmackssinn.

Wenn der Geruch der jeweiligen Pflanze alleine nicht schon abschreckt, folgt der sogenannte Futterbiss.

(Dieser wird unter Anderem auch gerne bei uns Menschen gemacht, wenn sie die Hand die vor ihnen liegt, nicht einordnen können, die Rennmaus zwickt leicht in den Finger)

 

Beim Futterbiss wird leicht in die Pflanze gebissen und eine Weile abgewartet. Fühlt sich die Rennmaus danach unwohl, wird diese Pflanze in der Zukunft gemieden. Zeigen sich keine Nebenwirkungen, wird eine größere Menge gefressen.

 

" Jedes Tier was gesund ist, besitzt eine Witterung dafür, ob ihm diese oder jene Pflanze bekommt oder nicht. Es lässt Pflanzen, die ihm unbekömmlich sind liegen und wählt die ihm zusagenden aus" Walter Gadsch, 1942

 


Von einigen Rennmaushaltern bekomme ich gesagt, das ihre Tiere keine Pflanzen und Kräuter fressen wollen.

Sie beissen rein und lassen es dann komplett liegen.

 

Mit dem nun neu errungenen Wissen, weisst du nun, das jede Neu gebotene Pflanze erst einmal getestet wird.

Manche Dinge werden erst später oder bei erneuter Gabe verzehrt. Andere Dinge werden direkt komplett gefressen, je nachdem was das Tier per Witterung einschätzen kann.

Bietet man bestimmte Dinge, immer mal wieder an, so wird Rennmaus irgendwann auch mehr davon probieren.

Manche Dinge werden aber nur dann gefressen, wenn es auch benötigt wird. Daher ist es wichtig, immer ein gesundes Gemisch aus mehreren Zutaten anzubieten. Als Grundfuttermischung oder als Frischfuttermischung.


Die Grenzen der Selektion

" Mit Giftpflanzen die auf Wiesen vielfacht auftreten, sei man nicht zu ängstlich.

Wenn Tiere ausreichend Futter geboten bekommen, meiden sie stark giftige Pflanzen von selbst.

Geringe Mengen sind in der Regel auch gar nicht schädlich, wenn sie im Übrigen im guten Futterzustande sind, also eine gewisse Widerstandkraft haben." Friedrich Joppich, 1949

Als Halter von in Gefangenschaft lebenden Tieren, sollten wir dennoch versuchen, das Selektionsverhalten der Rennmaus nicht auszureizen, denn gerade Rennmäuse die Futtermittel erst neu aus der Natur geboten bekommen, müssen angefüttert werden, sie lernen erst einmal die Fressbar- und Nutzbarkeit des ihm gebotenen Futters kennen.

Vermieden werden sollte auf Jedenfall hochgiftige Pflanzen. Bestenfalls bietest du nur Pflanzen an, die du sicher bestimmen kannst.

 


Probleme beim Selektionsverhalten

  • Haltungsfehler - Durch beispielsweise Langeweile im Rennmausalltag
  • Falsche Ernährung - Rennmäuse denen nur Fertigfuttermischungen angeboten worden sind, die beispielsweise stark verarbeitet und nicht in ihrer natürlichen Form gereicht werden (gebacken oder gepresst) und mit Aromen und Geschmacksverstärker versehen sind, können sich auf das Selektionsvermögen leider negativ auswirken, da sie die visuellen und geschmacklichen Sinne trüben. Ebenso kann einseitige Ernährung  zu einem Selektionsverlust führen.
  • Erkrankung der Atemwege - Getrübte Sinne können zum Selektionsproblem führen

Unter Umständen gilt:

"Die Tiere können dann nicht wie in der Natur oder bei vielseitigem Frischfutter durch Bevorzugung bestimmter Futterstoffe  die Nährstoffzufuhr qualitativ ihrer Stoffwechsellage anpassen." von Hönricke H. 1978, Ablauf und Regulation, Übersetzung Tierernährung 6.91-148