Sozialisierung, das richtige Abgabealter

Der Begriff Sozialisierung bedeutet die Entwicklung der Persönlichkeit aufgrund ihrer Interaktion mit einer spezifischen materiellen und sozialen Umwelt, d. h. unter selbstverständlicher Annahme der gesellschaftlichen Werte und Normen und deren Identifizierung  

(Quelle Wikipedia)

Eine gute Sozialisierung bedeutet, das die Rennmaus den Umgang mit Artgenossen und Umwelt erlernt und verstanden hat.

 

Die Rennmaus kann somit bestimmte Signale deuten und entsprechend reagieren.

 

Habituation, also das gewöhnen an die eigene Umgebung und das eigene Umfeld, spielt ebenso eine große Rolle bei einer guten Sozialisierung.

 

 

 

Junge Rennmäuse reagieren meist sehr unvoreingenommen auf Neues.

Alles was sie nun positiv oder neutral kennen lernen, wird sie für den Rest ihres Leben keine Schwierigkeiten mehr bereiten.

 

Das wichtigste in der Sozialisierung ist der Aufenthalt und die Dauer im Familienverbund.

Auch spielt die Sozialisierung der adulten Tiere, insbesondere der Elterntiere eine beachtliche Rolle, sind Diese bereits schlecht sozialisiert worden, wird sich dieses Verhalten negativ auf deren Jungtiere austragen.

 

Rennmäuse lernen während der Sozialisierung die Kommunikation und Umgang mit den Artgenossen.

Schlechte Erlebnisse sind somit kontraproduktiv.

Mit schlechten Erfahrungen ist dabei nicht die Zurechtweisung durch einen adulten Artgenossen gemeint, wenn sich das Jungtier beispielsweise daneben benimmt oder zu aufdringlich ist.

Dieses muss und soll das Jungtier erlernen.

Wichtig ist daher das bereits die Eltern gut sozialisiert worden sind und ein souveräner Umgang gewährleistet ist. 

 

In den sogenannten sensiblen Phasen, erlernen junge Rennmäuse das so wichtige Sozialverhalten.

Diese, von unterschiedlichen Autoren in unterschiedliche Wochen gefassten Entwicklungsphasen verschiedener Tierarten,  können circa bis zur 12. Woche andauern, wobei die Aufnahmebereitschaft zwischen 3. und 10. Woche am höchsten ist und danach abfällt.

Da die verschiedenen Entwicklungsstufen  unterschiedlicher Tiere individuelle Variationen haben, ist eine schematische Einteilung von Woche X bis Woche Y nicht sinnvoll.

 

Ich empfehle beim Kauf von zwei gleichgeschlechtlichen Rennmäusen auf ein Abgabealter von mindestens 10. Wochen zu achten!

 

 

 

Entwicklung  - Sinne und Wahrnehmung

 

Nach der Geburt entwickeln sich die Sinnesorgane.

Die jungen Rennmäuse lernen nun auf die immer vielfältiger werdenden Reize mit immer komplexeren Verhaltensweisen zu reagieren.

 

Das Leben beginnt mit vielen Eindrücken über die Haut, sie spüren Kälte und Wärme, Weiches oder Hartes.

Die Nase lernt nun immer mehr verschieden Gerüche kennen, der erste Geruch ist die des Muttertieres, die der lebensnotwendigen Milch und der wohlige und vertraute Geruch des schützenden warmen Nestes.

 

An Tag 3 sind die Ohren vollständig entwickelt, Geräusche können nun wahrgenommen werden, mit dem Muttertier wird nun, unter Anderem per Ultraschallfrequenz kommuniziert.

 

 

Mit ca. zwei Wochen kommt eine weitere Sinnesleistung hinzu, die jungen Rennmäuse öffnen nun ihre Augen und können ihre Umgebung, Geschwister und Elterntiere sehen.

Nun werden sie bald die schützende Umgebung verlassen und ihre Umwelt besser kennen lernen.

 

Nun beginnt die Sozialisierung und Habituation der Mongolischen Rennmaus.

Sie lernen durch Artgenossen deren Verhaltensweisen, Lautäußerungen und Gerüche zu deuten und zu beantworten.

Durch Erfolg und Misserfolg lernen sie miteinander umzugehen.

Sie sind nun in der Lage, positive und negative Reaktionen auf eigenes Verhalten wahrzunehmen und Konsequenzen in Bezug auf Wiederholungen zu ziehen.

 

(In den ersten Lebenswochen findet eine ungeheure Entwicklung des Gehirns statt. Alle Leistungen des Gehirns funktionieren über elektrische Impulse, die über bestimmte Nervenbahnen geschickt werden." Diese Nervenbahnen entstehen durch die Verbindung von Nervenzellen (Neuronen). Zum Zeitpunkt der Geburt entwickeln sich Nervenzellverbindungen im Gehirn in riesiger Anzahl aber chaotischer Form. Wissenschaftler fanden bis zu 10.000 Verbindungen eines einzigen Neurons. Einige Nervenbahnen sind genetisch dazu programmiert nach ein paar Wochen von selbst zu verschwinden. Sie vermitteln die ersten Reflexe eines Neugeborenen, die später nicht mehr gebraucht werden. Das Bestehenbleiben von Nervenbahnen und der Ausbau dieser Bahnen bedarf der regelmäßigen Stimulation. Ohne diese Stimulation verschwinden diese Nervenbahnen, da sie ja offenbar nicht gebraucht werden.  Dadurch reduzieren sich die Verbindungen pro Neuron wieder, und das Chaos wird strukturiert. Quelle: Bericht über die Frühsozialisierung von  Dr. Viola Hebeler)

 

 

Auch die Umgebung spielt in der sensiblen Phase eine wichtige Rolle.

Ein artgerechtes zu Hause, mit vielen Buddel- und Versteckmöglichkeiten, ausreichend Bewegung und viele interessante Dinge zum Entdecken sorgen für viele Reize im frühen Rennmausleben, die sich später positiv auswirken.

 

Eine falsche Unterkunft kann zu schweren Verhaltensstörungen führen, die ein Leben lang anhalten können. Daher ist es wichtig, das junge Rennmäuse in geeigneter Umgebung aufwachsen .

 

 

Fazit:

Ein guter und verantwortungsvoller Züchter achtet auf eine gute Sozialisierung, mit geeigneter Unterkunft!

 


Asoziales Verhalten

 

Ein gestörtes Sozialverhalten, kann in der Heimtierhaltung zu massiven Problemen führen.

Dissoziale Verhaltensweisen können sein:

 

- Aggressive Auseinandersetzungen durch Kommunikationsprobleme mit dem Artgenossen

- Gestörtes Dominanzverhalten

- Geringe Frustationstoleranz

- Impulsives feindseliges Verhalten dem Artgenossen gegenüber

- Ängstlich gehemmte Charaktervarianten mit Aggressionen

- Hyperaktive Störungen

- Ängstliches, aggressives Verhalten

- Abweichendes Verhalten